Es gab Zeiten, da stand das "Krach, Bumm, Peng" in Filmen nicht so sehr im Mittelpunkt, wie
es heute der Fall ist. Das lag sicher u.a. an fehlenden Möglichkeiten für gutaussehende
Specialeffects. Diese waren so teuer und aufwändig, das jede Filmproduktion Unmengen an
Geld verschlungen und Jahre gedauert hätten. So lag es am filmischen Helden, den Zuschauer
mit seinen darstellerischen Fähigkeiten bei der Stange zu halten oder die pompösen
Massenaufläufe von Statisten in monumentaler Manier.
Bei den jetzt neu aufkommenden Filmproduktionen kommen die Kampfsportler und trainierten
Superhelden als "darstellerische Specialeffects" ins Spiel, die das neue filmische
Stilmittel der Wahl sein sollten.
Der Aufstieg von Bruce Lee, Chuck Norris, Van Damme, Michael Dudikoff oder die unzähligen Kung-Fu-Hong-Kong-Schinken, Ninja- und Karatefilme lösten die vorherigen Helden aus Western, Bond und Kriegsfilmen oder Rachethriller alla Charles Bronson ab und setzten mit den Martial Arts Sequenzen neue filmische Maßstäbe - was aber ehrlicherweise nicht immer zu Gunsten der Schauspielerei als Kunst ging.
Die neuen technischen Möglichkeiten des damals "neuen Homekinos", mit Videorecorder und
VHS, trugen bei interessierten Männern das ihre dazu bei, ein ungekanntes Gefühl
kontinuierlicher filmischer Präsenz zu entwickeln und Filme in Form von VHS-Videos als neue
Massenkomsumware zu etablieren.
Denn Fernsehen bestand damals mit einer guten Antenne aus ARD, ZDF, und vier 3. Programmen,
wovon bei zweien davon wahrscheinlich schon ziemlich das Bild grisselte.
In dieser Zeit entstanden die Filmwochenenden, bei denen man mit Familie oder mit Freunden
in der Videothek sich über das Wochenende Filme auslieh, um sie in partyähnlicher
Gesellschaft gemeinsam anzuschauen. So ist es kein Wunder, daß die kämpferischen
Fähigkeiten, die in den neuen Actionfilmen gezeigt wurden, jeden Mann in seinen
Bann zogen - was so manches Filmskript nicht wirklich konnte. Dies sind die
Fähigkeiten, die man als Mann haben mußte, um für sich einstehen zu können, um
Schaden von seiner Familie abzuwenden, cool zu sein oder notfalls seine Frau,
Kinder oder sonst irgendwen rächen zu können.
Zu der Zeit waren im Gegensatz zu heute Männer noch Männer und Frauen noch Frauen!
Also, so dachte sich mancher, ab ins Dojo oder ins Gym, in der Hoffnung, den einen,
idealerweise seinen, neuen Sensei zu finden, der einem das geheime Wissen beibringen
sollte, welches einen selbst zu einer unbesiegbaren Waffe machen würde.
Deshalb war es wichtig, sich aus den Möglichkeiten und verschiedenen Kampfsportarten das
Beste auszusuchen.
Ich hatte schon in der Grundschule als kleiner Junge ein Interesse an asiatischen
Kulturen entwickelt und angefangen mich für die Schriftzeichen zu interessieren.
Mein erster Fernseh- und Comic-Superheld war ein Anime-Held und die Leute fingen seinerzeit
an über die neuen japanischen Marken auf dem Markt zu sprechen - Autos, Stereoanlagen,
technische Gerätschaften etc..
Ich hatte außerdem die ungewöhnliche Chance, mich in der Schule schon ein wenig mit japanisch
und anderen asiatischen Sprachen und Kulturen aueinanderzusetzen. Ergänzt wurde das durch lokale Intrastruktur, es gab einen Dojo für Karate in
der Stadt. Wenn ich also einen Kampfsport als meinen neuen Sport wählen würde, wäre das die
erste Wahl. Gesagt, Getan.
So stand ich da, ein junger Mann - ein leeres Gefäß, am Anfang seiner Reise; und so lernte
ich auf traditionelle Weise Körperbeherrschung, Disziplin, Technik und, nicht zu letzt,
waffenlose Selbstverteidigung.
Es dauerte etwas, bis ich in diese neue Welt hineinfand. Doch dann bekam ich meinen eigenen
Gi und ich trainierte - mehr und mehr. Und ich wurde besser und besser, machte Kyu-Prüfungen
und konnte und wollte mich auf Turnieren messen.
Ich ging dann auf Turniere, wurde letztlich Hessenmeister und wollte noch mehr....
...das war auch die Zeit, als ich das erste Mal merkte, daß von außen Druck und Sabotage
gegen mich ausgeübt wurde, um mich am weiteren Fortkommen zu hindern.
Ich hatte da leider noch nicht den sturen eisernen Willen, wie ich ihn später entwickelt
habe und der mich heute auch nicht stehenbleiben läßt!
Die Bilddokumente aus dieser Zeit sind rar, ich habe für diese Seite ein paar Bilder von
Turnieren ausgesucht.
Wer/Wie/Wo/Was, dafür verantwortlich war, woran es lag oder wo die Quellen dafür zu suchen
sind, weshalb sich mein Umfeld mir gegenüber so wandelte, konnte ich damals noch nicht ausmachen.
Das würde sich erst später im Leben herausstellen.
Diese Zeit hat mich sehr geprägt und geformt - Ehre und Respekt, Meditation und Kampfkraft,
Beherrschung von Körper und Geist oder mein kulturelles Verständnis von
Japan und Asien allgemein - ja, denn sicher wird jemandem der sich tiefer mit dem Thema
asiatische Kulturen beschäftigt schnell klar, wo die Gleichheiten liegen und wie groß die
Unterschiede sind.
Auch, wenn ich es durch die vielen Dinge mit denen ich mich im Leben beschäftigt habe und
beschäftige, nicht geschafft habe, das Trainieren in einem Dojo bis heute kontinuierlich in
mein Leben zu integrieren, so ist dies dennoch noch immer Teil meiner Seele und Teil meines
Selbsts und Selbstverständisses - und wenn ich ein wenig vor mich hin trainiere, mache ich
noch immer einige Übung aus jener Zeit....